Zwei Ringeltauben nisten in unserem Garten

Noch vor nicht allzu langer Zeit kam die Ringeltaube nur in Wäldern und im Kulturland mit grossen Feldgehölzen und Hecken vor. Als Kulturfolger besiedelt sie mittlerweile auch Grünflächen und Gärten in Dörfern und Städten. Von blossem Auge sind weibliche und männliche Vögel nicht zu unterscheiden.

Mit einer Körperlänge von bis zu 43 cm und einer Flügelspannweite von bis zu 77 cm, ist die Ringeltaube die grösste Taubenart. Sie ist ein typischer Pflanzenfresser (vor allem Eicheln, Bucheckern und Getreidesamen). Gelegentlich fressen Ringeltauben aber auch Insektenlarven und Regenwürmer. In ihrem Kropf können Ringeltauben mehr als 70 Gramm Nahrung speichern. Darin können sie auch die sogenannte Kropfmilch bilden, mit der sie ihren Nachwuchs in den ersten Tagen füttern.

Grosse Schwärme, wie zum Beispiel in Grossbritannien zu beobachten sind, sind bei den Bauern nicht beliebt. Sie können erhebliche Schäden in der Landwirtschaft anrichten.

21. Mai 2026 – Zufällig entdeckt

Das Nest im Haselstrauch habe ich zufällig entdeckt. Aufgrund eines Lärms flüchteten die Tauben aus dem Haselstauch, was mich dazu bewog, nachzuschauen. Die Freude war gross, als ich erkannte, dass die Lage des Nests eine Beobachtung mit der Kamera erlaubte. Das Tauben-Pärchen kümmert sich gemeinsam um den Nestbau. Vermutlich ist es das Männchen, das dem Weibchen Ästchen «zudient», die von diesem eingebaut werden.

23. Mai 2026 – Die Brut hat begonnen

Offensichtlich entdeckte ich das Nest, als die Eiablage bereits im Gange war. Jedenfalls hat das Brüten begonnen. Nach Lehrbuch sind es auch «nur» zwei Eier – und es kümmern sich beide Elternteile um die Brut. Wer zu welcher Zeit brütet, lässt sich nicht feststellen.

31. Mai 2026 – Brüten im Gewittersturm und Regen

Ringeltauben gehören – wie viele andere Vögel – zu den Freibrütern. Sie brüten weder in Höhlen noch in Nistkästen. Sie bauen ihr Nest in Bäumen oder grossen Sträuchern. Bei starkem Regen oder Gewittern werden sie arg geschüttelt und durchgenässt. Wie aber zu sehen ist, ertragen sie dieses Wetter stoisch und schützen ihre Eier. Dramatisch wird es höchstens, wenn das Nest abstürzt.

07. Juni 2026 – Der Nachwuchs ist geschlüpft

Heute, im Verlauf des Morgens, ist eines der Jungen geschlüpft. Die Kamera fing den Moment ein, als die Mama eine zerbrochene Eierschale aus dem Nest hob. Im Gegensatz zu den Kohlmeisen verzehrte sie diese nicht, sondern trug sie aus dem Nest. Ausserdem konnte eine Ablösung der Eltern „eingefangen“werden.

08. Juni 2026 – Füttern, Füttern

Nach «Lehrbuch» legen Ringeltauben pro Brut zwei Eier. Die Kameraposition liess leider eine Sicht ins Nest nicht zu. Ob ein oder zwei Nestlinge geschlüpft sind, lässt sich also (noch) nicht sagen. Gut zu sehen ist, wie der Nachwuchs aus dem Kropf (offenbar mit sogenannter Kropfmilch) gefüttert wird.

10. Juni 2026 – Zwei richtige, kleine Racker

Die Frage der letzten Beschreibung ist beantwortet. Es sind zwei Nestlinge. Erst drei Tage alt sind sie, die zwei Ringeltauben-Nestlinge, aber im Vergleich mit anderen Vögeln, schon richtig gut entwickelt und ausgesprochen aktiv. Sie wissen bereits, wo Ihre Nahrung, die Kropfmilch bei Mama oder Papa zu holen ist.

12. Juni 2026 – Aktive und hungrige «Kinderchen»

Die Nestlinge wachsen rasant. Ein Elternteil ist permanent im Nest und «behütet» die Kleinen unter dem Brustgefieder. Die Nestlinge sind ausgesprochen aktiv und wissen genau, was zu tun ist, um der Mama oder dem Papa Futter in Form von Kropfmilch zu entlocken.

14. Juni 2026 – Spätes Nachtessen

Heute sind die Nestlinge genau eine Woche alt. Nach unserer Beobachtung lösen sich die Eltern am Morgen und Abend in der Betreuung und Fütterung ab. Heute mussten die Nestlinge lange auf die «Ablösung» mit gut gefülltem Kropf warten. Die Fütterung verlief dementsprechend stürmisch.

15. Juni 2026 – Die Kleinen werden immer ungestümer

Die Fütterung der Nestlinge erinnert immer mehr an einen Ringkampf. Die Kleinen sind für ihr Alter von erst acht Tagen auch schon kräftig und fordern die Eltern bei der «Herausgabe» von Kropfmilch entsprechend.

17. Juni 2026 – Nest-Alltag in heissen Tagen

Ringeltauben sollten eigentlich – von ihrer südlichen Herkunft her – die Hitze gut vertragen. Zudem haben sie im grossen Haselstrauch einen schattigen Platz.

Vögel können nicht schwitzen und verfügen deshalb über andere Strategien, um mit der Hitze zurechtzukommen. Das Vibrieren der Kehlpartie wird in der Fachsprache als «Kecheln» bezeichnet und ist vergleichbar mit dem Hecheln anderer Tiere.

20. Juni 2026 – Wenn die Mama oder der Papa kommt, wirds stürmisch

Dass es bei der Fütterung aus dem Kropf ziemlich «zur Sache» geht, zeigen einige der vorgängigen Filme. Mittlerweile sind die «Kleinen» aber schon fast zwei Wochen alt und ziemlich gross und kräftig. Die Eltern sind auch nicht mehr dauernd im Nest präsent, sondern lassen die Nestlinge für die Futtersuche allein. Umso stürmischer wird die Fütterung. Die Nestlinge scheinen allerdings danach auch ziemlich erschöpft.

23. Juni 2026 – Gefiederpflege und Flügelstretching

In ihrem Alter von zweieinhalb Wochen, beginnen sich «unsere» Nestlinge intensiv mit der Gefiederpflege zu beschäftigen. Sie durchkämmen das Gefieder mit dem Schnabel, entfernen so Parasiten und fetten es ein. Alles von der Natur bestimmt und nicht gelernt. Ihr wichtigstes «Werkzeug», die Flügel werden regelmässig bewegt und gestreckt.

24. Juni 2026 – Morgenfütterung

Seit einigen Tagen sind die zwei Nestlinge in der Nacht allein. Auch am Morgen müssen die «Kleinen» eine geraume Zeit warten, bis sie gefüttert werden. Man hört aber die Rufe der Eltern aus nächster Umgebung. Das Flügel-Vibrieren (eine Zeichen der Erregung) verrät, dass die Nestlinge in Kürze einen Elternteil mit vollem Kropf erwarten.

26. Juni 2026 – Ausflug!

Es ist einem Zufall zu verdanken, dass der Ausflug der Nestlinge mit der Kamera dokumentiert werden konnte. Nach Konsultation der verfügbaren Quellen erwartete ich den Ausflug frühestens am Tag 23 nach dem Schlüpfen. «Unsere» Kleinen waren aber erst 19 Tage alt. Es waren die erhöhten Aktivitäten im Nest, die mich dazu bewogen, die Kamera einzuschalten.

Die Erregung ist den Tauben gut anzusehen. Sie zeigen das, wie andere Vögel, durch das Vibrieren mit dem Flügeln.

Die Nestlinge sind nicht mehr ins Nest zurückgekehrt. Sie treiben sich aber, begleitet von den Eltern, immer wieder im Garten herum. Es ist nicht zu überhören, wenn sie aus einem Strauch heraus «starten».

02. Juli 2026 – Im Garten unterwegs

Seit die «Kleinen» ausgeflogen sind, dominiert in unserem Garten, immer wieder aus einem anderen Winkel, das heisere GUH – GUH – gugu – GUH. Ungemein melodiös ist der «Gesang» ja nicht, aber die Kleinen kommunizieren dafür mit ihren Eltern ausgesprochen ausdauernd. So ausdauernd, dass man sich zuweilen wünscht, die Eltern möchten mit ihren «Kinderchen» doch einen längeren Ausflug in die weitere Umgebung der Rebmatt unternehmen…